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„Was macht einen Fonds zum Ethik-Fonds?"

Ralph Prudent, Geschäftsführer Ökoworld-Investments

Was macht einen Fonds zum Ethik-Fonds?

Nachhaltigkeit ist in Deutschland ein Kernbegriff des wirtschaftlichen Handelns geworden – zu Recht. Im Bereich der nachhaltigen Geldanlagen aber spielt Deutschland bislang keine Vorreiterrolle. Damit sich das möglichst rasch ändert, muss die Bundesregierung neue Rahmenbedingungen schaffen und den Kapitalmarkt endlich in ihre Nachhaltigkeitsstrategie einbeziehen.

Auch heute schon investieren immer mehr private Anleger ihr Geld nachhaltig. Das heißt, sie beziehen nicht Faktoren wie Rendite, Risiko und Liquidität in die Anlagestrategie mit ein, sondern auch ökologische und ethische Überlegungen. Wurden im Jahr 2000 in Deutschland etwa fünf Milliarden Euro nachhaltig angelegt, so waren es 2009 im deutschsprachigen Raum bereits 33,2 Milliarden Euro. Nachhaltige Geldanlagen sind dabei, sich vom Nischenangebot zum festen Bestandteil der Finanzdienstleistungsprodukte entwickeln. Sie bilden inzwischen ein ebenso breites Produktspektrum ab wie konventionelle Geldanlagen.

Immer mehr private Anleger sind sich bewusst, dass die Art und Weise, wie und in welche Unternehmen sie investieren, unmittelbar Auswirkungen auf die Beziehung von Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft hat. Nachhaltige Geldanlagen ermöglichen aber nicht nur die Erfüllung der eigenen sozialen und ökologischen Werte, sondern sind auch vom rein ökonomischen Standpunkt aus sinnvoll: Studien beweisen, dass die langfristige Performance nachhaltiger Geldanlagen mindestens ebenso gut ist wie die konventioneller Geldanlagen.

Der Grund liegt auf der Hand: Investitionen werden nur in Unternehmen getätigt, die bewusst und sorgfältig mit Ressourcen umgehen, ökologische und soziale Standards umsetzen und auf Risiken aus dem Klimawandel früh reagieren. So werden Gefahren für die Rendite rechtzeitig erkannt und umschifft. Denn die Auswirkungen des Klimawandels oder mögliche ordnungsrechtliche Gesetzesvorhaben kommen nicht aus heiterem Himmel, sondern können beizeiten in die Unternehmensstrategie miteinbezogen werden.

Zaghaftes Deutschland

Dennoch – das Potential für nachhaltige Geldanlagen ist noch längst nicht ausgeschöpft. Ihr Anteil am gesamten Anlagevolumen lag 2007 in Deutschland und in Österreich bei nur 0,7Prozent, in der Schweiz bei 2,8 Prozent. Andere Länder sind deutlich weiter: In Belgien betrug der Anteil am gesamten Anlagevolumen 20 Prozent, in den Niederlanden sogar 40 Prozent! Warum ist er in den deutschsprachigen Ländern so gering?

Ein gewichtiger Grund ist ganz sicher die Unsicherheit vieler Anleger. Fast jeder Finanzdienstleister hat mittlerweile das eine oder andere Produkt im Angebot, das mit Nachhaltigkeit wirbt. Einheitliche Standards gibt es aber bislang nicht. In welche Wertpapiere seine Gelder fließen, darüber konnte sich der Anleger nicht immer sicher sein.
www.oekoworld.com