„Was macht eine Bank zur Ethik-Bank?“
Sylke Schröder, Vorstandsmitglied der Ethik-Bank
Wie wird eine Bank zur Ethik-Bank?
Geld verändert die Welt – Wie man mit Geld etwas ausrichten, aber auch anrichten kann.
„Noch keine Minute war mir bei der EthikBank langweilig“, sagt Sylke Schröder. Kein Wunder, denn das Vorstandsmitglied der genossenschaftlichen Direktbank für ethischökologische Geldanlage ist zuständig für Marketing, Vertrieb, Kommunikation und Qualitätsmanagement.
Bankerin ist sie mit Leib und Seele. Nur bei dem Angebot, Journalistin zu werden, spürte sie für einen Augenschlag die Versuchung, den Beruf zu wechseln. „Schließlich ist Journalismus auch kein langweiliger Beruf“, meint sie und lacht. Aber dann entschied sie sich doch, im Bankfach zu bleiben.
Die Idee, eine Bank zu gründen, deren Kunden mit ruhigen Gewissen schlafen können, hatte sie zusammen mit Klaus Euler, dem Vorstandsvorsitzenden der Volksbank Eisenberg eG. Sie war ihnen gekommen, nachdem die Volksbank Eisenberg mit ihren Förderkonten großen Zuspruch erfahren hatte. Die Kunden spenden dabei 0,25 Prozentpunkte ihres Zinsgewinns entweder für eine Mädchenschule in Afghanistan, ein Waisenhaus in Bulgarien oder den Schutz der sibirischen Baikalrobbe.
Bald fragten sich Sylke Schröder und die anderen Genossenschaftsbanker aus der ostthüringischen Kleinstadt, angeregt von Journalisten und Umweltorganisationen: Warum legen wir das Geld der Kunden nicht gleich nach ethischen und ökologischen Gesichtpunkten an statt mit den Förderprojekten an den Folgen verantwortungslosen Handelns zu kurieren? Also gründeten sie 2002 die EthikBank als Zweigniederlassung der Volksbank Eisenberg eG, um Kompetenz und Verantwortungsbewusstsein zu bündeln.
Zur Bankerin ist Sylke Schröder relativ spät geworden. 1966 in Jena geboren und in Ostthüringen aufgewachsen, macht sie von 1982 bis 1984 eine Ausbildung als Bürokauffrau. 1984 bis 1987 arbeitete sie als Sekretärin im Büro des Generaldirektors im Kombinat VEB Keramische Werke Hermsdorf und bildet sich zur „staatlich geprüften Sekretärin“ weiter. Nach der Geburt ihres Sohnes 1987 nimmt sie ein Jahr später eine Stelle als Sekretärin in der Töpferei „Alt Bürgeler blau-weiß“ an. Doch die Zeiten sind bewegt, und auch Sylke Schröder sucht nach einer neuen, spannenden Aufgabe. Sie entscheidet sich für die Volksbank Eisenberg. Dort beginnt sie 1992 als Vorstandssekretärin, steigt zur Direktionsassistentin auf, kümmert sich um den Aufbau der Marketing- und Vertriebsorganisation und erhält schließlich im Jahr 2000 Prokura. Inzwischen ist sie ausgebildete Bankkauffrau, diplomierte Bankbetriebswirtin und hat zudem die Prüfungen zur Marketingleiterin ADG und Vertriebsleiterin ADG erfolgreich bestanden. Ihre Vorstandsqualifikation erwarb sie in den Jahren 2006 bis 2007 an der Akademie Deutscher Genossenschaften (ADG) in Montabaur.
Wenn Sylke Schröder einmal abspannen will, vertieft sie sich in ein Buch, oft von ihrem Lieblingsschriftsteller Thomas Mann. „Seinen Witz und seine Ironie finde ich einfach amüsant. Und am besten gelingt ihm dies in den ‚Buddenbrooks’“, sagt sie. Oder die EthikBankerin zieht sich an einen Ort zwischen Meer und Bergen zurück. Dort, beim Wandern, auf dem Gipfel, mit Blick auf die See, genießt sie das Gefühl, wieder eine Herausforderung geschafft zu haben.
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